Plotbunny schreit nach Aufmerksamkeit

Sonntag, 21. Oktober 2012 | Kommentieren
Ja, manchmal nerven sie. Eine ganze Zeit lang haben sie mich weitestgehend in Ruhe gelassen und jetzt bedrängen mich drei auf einmal. Böse, wenn es nicht mal hilft, die Ideen einfach aufzuschreiben...
Na ja, ich habe jetzt mal begonnen, den ersten auszuschreiben. Prolog und der Beginn stehen schon. Mich würde mal interessieren, was ihr davon haltet.


Prolog

Ihr glaubt noch immer, der Tod wäre Ruhe? Frieden? Mit dem Tod sei alles vorbei? Ihr wärt endlich erlöst?
Ich muss euch enttäuschen. Dem ist keinesfalls so. Der Tod ist ein grausamer Herrscher in seinem ewigen Reich. Ein Sklavenhalter für Millionen von Seelen. Ich bin eine davon.
Lasst mich euch von mir erzählen. Von meinem zweiten Leben.
Lasst mich euch zeigen, was nach dem Tod wirklich geschieht.
Lasst mich euch eure Meinung ändern.
Manche behaupten, meine Geschichte beginne erst im Krankenhaus, doch, um ehrlich zu sein, ihren Anfang hat sie schon deutlich früher. In der Schule. In einem leeren Klassenraum.
Mein Name ist Mikey. Ich habe mich selbst umgebracht.




Es ist dunkel. Und still. Immer ist es still, wenn ich die Augen aufschlage, bereit, einen neuen der ewig gleichen Tage zu beginnen. Die Ruhe ist bedrückend, obgleich ich weiß, dass es der einzige Moment eines jeden Tages ist, in dem ich meine Gedanken in jedem Fall für mich selbst habe. Bis zum Abend würde ich wieder unter Beobachtung stehen. Wie ein jeder hier.
Am liebsten würde ich noch liegen bleiben, in meinem Bett aus Nebel, schwärzer als die Nacht. Nicht, weil es hier warm ist. Wärme kennt dieser Ort nicht. Ich kann mich kaum noch daran erinnern, wie sie sich anfühlt. Vielmehr beginne ich langsam, diese Ruhe zu mögen. Sie ist tröstlich an diesem finsteren Ort. Hier kann ich denken, was ich will. Muss nicht darauf achten, bestimmte Bilder aus meinem Kopf zu verdrängen. Probleme will ich nicht. Auf keinen Fall mit dem Meister.
Zielsicher finde ich mich in dem winzigen Raum zurecht. Anfangs war es mir noch schwer gefallen, mich in der Dunkelheit zu orientieren, doch mittlerweile habe ich es gelernt. Ich greife nach der grauen Hose und der dazu passenden Jacke. Noch immer habe ich nicht herausgefunden, woraus sie gefertigt sind. Es ist ein dünnes Material, fast wie Seide und doch weitaus grober. Nie zuvor habe ich so etwas gespürt und wann immer ich die Sachen trage, vergesse ich schnell, überhaupt bekleidet zu sein, so leicht sind sie.
Mit zwei kurzen Schritten erreiche ich das Ende meines Zimmers. Schon vorher zitternd berühre ich die eiskalte Schwärze, welche meinen Raum umgibt. Ein wenig sinken meine Finger in der nebligen Oberfläche ein. Ich spüre keinen Widerstand, aber ich weiß, dass ich nicht hindurch treten könnte. Die schneidende Kälte würde sich anfühlen, als erstarre man bei lebendigem Leibe zu Eis, während gleichzeitig ein unbändiges Feuer im Körper wütet, doch auch wenn es sich so anfühlen würde, als stünde man kurz davor, sterben würde man in keinem Fall. Nicht an diesem Ort, im Reich der Toten. Woher ich das weiß? Ich bin lange genug hier, um eigene Erfahrungen gemacht und andere bei ihren Versuchen beobachtet zu haben.
Ein wenig nimmt die Kälte um meine Finger ab und der schwarze Nebel wird langsam zu mattem Grau, durch das man mit etwas Anstrengung die Umrisse des Dahinterliegenden erkennen kann. Ich trete hindurch, unterdrücke das Zittern, das sich meines Körpers bemächtigen will. An dieses frostige Gefühl würde ich mich wohl niemals gewöhnen.
Aus den anderen Zimmern treten nach und nach weitere Bewohner. Ich blicke nach oben. Zahllose Etagen recken sich in die Höhe und verschwinden im Dunst. Bisher habe ich niemanden von dort kennengelernt. Sie bleiben unter sich. Selten sehe ich sie überhaupt. Längst scheint es mir, als sei dieser Ort weitläufiger, als ich gedacht habe. Nur ungern stelle ich mir vor, wie viele hier insgesamt leben. Vereint dieses Reich alle Toten der Welt? Oder ist es begrenzt auf einen Kontinent, gar auf ein Land. Wie lange ist man hier? Unmöglich wandeln in dieser Welt alle Personen, die jemals gestorben sind. Ich betrachte die blassen Gestalten, die an mir vorübergehen. Niemandem ist anzusehen, wie lange sie sich bereits hier befinden. In welcher Epoche sie gar gestorben sind. Alle sind sie gleich in ihrer einheitlichen Kleidung und mit ihren kurzen Haaren, Männer wie Frauen. Alle gleich. Nur die Farbe ihrer Haut unterscheidet sich manchmal. In seltenen Fällen erkennt man noch den Hauch einer Haarfarbe, die zunehmend grauer wird, je länger man hier verweilt. Ich weiß nicht, wie ich mittlerweile aussehe. Ich bin einer von ihnen. Vermutlich sind sie alle wie Spiegelbilder für mich.
Tief atme ich durch, verbanne die Gedanken. Ich befinde mich nicht länger im Schutz meines Zimmers. Derartigen Gedankengängen darf ich mich jetzt nicht mehr widmen. Kein Infragestellen. Kein Nachfragen. Keine Suche nach Antworten. Nur akzeptieren. So kommt man hier einigermaßen zurecht.