[52/52-Challenge] Ungleiche Freunde

Dienstag, 31. März 2015 | Kommentieren
Stichwort: Freundschaft
Wörter: 1178

Ungleiche Freunde

Die Straßen sind ungewöhnlich leer, obwohl es erst kurz nach Mitternacht ist. Beruhigend. Besonders nach dem Gespräch, das hinter mir liegt. Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, wenn mich jetzt jemand anpöbelt. Das könnte wirklich unschön enden...
Seufzend streiche ich eine Haarsträhne weg, die der Wind mir ins Gesicht geweht hat. 
Ich hasse Politik und ich hasse die Schwarz-Weiß-Sicht auf die Welt, die Raoul an den Tag legt. "Vater" nenne ich ihn schon lange nicht mehr. Vor vielen Jahren, als ich neu in dieser Welt war, habe ich es getan. Er hat mich aufgenommen, hat mir beigebracht, was ich weiß, und mir geholfen, ein neues Leben aufzubauen, nachdem ich in mein Altes nicht zurückgehen konnte. Ein Leben als Vampir. Aber er ist nicht mein Vater. Nur mein Schöpfer, nicht mehr, obwohl er allzu gern die Vaterrolle spielt. Wäre ich ihm wirklich ein Sohn, wäre das heutige Gespräch anders verlaufen. Dann würde er mich verstehen.
Ich erreiche meine Wohnung in der dritten Etage eines großen Blocks und ramme den Schlüssel heftiger ins Schloss, als notwendig gewesen wäre. Warum bildet sich Raoul eigentlich ein, über mein Leben bestimmen zu dürfen? Weil er mich geschaffen hat? Weil er auf mich aufgepasst hat, als ich zu jung war, um allein in dieser Welt klarzukommen? Ich bin verdammt nochmal kein Frischling mehr! Ich kann meine eigenemn Entscheidungen treffen.
Die Wohnungstür fällt hinter mir ins Schloss und Dunkelheit hüllt mich ein. Ohne das Licht anzuschalten, hänge ich meine Jacke an die Garderobe. Aus dem Wohnzimmer höre ich die Stimmen einer Dauerwerbesendung; das Licht des Fernsehers flackert unter der Tür hindurch. Vermutlich ist mein Mitbewohner mal wieder vor dem Fernseher eingeschlafen. Der Gedanke zeichnet ein kurzes Lächeln in mein Gesicht und lässt mich für einige Momente zur Ruhe kommen.

[52/52-Challenge] Blackout

Samstag, 28. März 2015 | Kommentieren
Hey ihr Lieben!
Vorangestellt mal eine Frage: Lebt ihr eigentlich noch?
Ich seh zwar immer, dass Posts gelesen werden, aber abgesehen davon wirkt es hier leider ziemlich tot...


Stichwort: Vergessen
Wörter: 757


Blackout

"Setz dich hin und sei ruhig."
"Geh mir nicht auf die Nerven."
"Hast du irgendetwas nicht richtig verstanden?"
"Sei still."
"Halt endlich deine verdammte Fresse!"
Schmerz.

Er schreckt auf. Ein Junge auf einer Matratze. Er wirkt klein und verloren. Ein Arm ist von einem Verband eingewickelt, eine Hand und ein Bein ebenfalls. Blaue Flecken. Kratzer. Abschürfungen. Nur Schmerzen hat er keine.
Die Pillen wirken noch.
Ächzend stemmt er sich hoch und lehnt sich mit dem Rücken gegen die kühle Wand. Sitzen, wenigstens für ein paar Minuten. Die Wand hält ihn. Kraft hat er schon lange keine mehr. Sie ist weg, wie so vieles.
Dumpf hallen die Stimmen in seinem Kopf nach. Nur ein Traum. Alles nur geträumt. Oder nicht? Im Halbdunkel tasten sich seine Blicke über die geschundene Haut. Nein, kein Traum. Nur eine Wiederholung.
Endlosschleife.
Trotzdem bleibt sein Kopf leer. Da sind keine Bilder. Nur die Stimmen, immer und immer wieder. Sie wecken merkwürdige Gefühle in ihm, die er nicht zu deuten versteht. Müsste er sie kennen? Bestimmt. Nur woher? Wem gehören sie? Wer sind die schwarzen Schemen, die sich im noch schwärzeren Raum um ihn scharen, ihn anschreien, beschimpfen. Ihm wehtun. Was haben sie eigentlich getan?
Er weiß es nicht.
Nichts. Alles ausgelöscht. Weg.

[Rezension] Nicole Neubauer: Kellerkind

Freitag, 27. März 2015 | 2 Kommentare
Das ist das erste Buch, das ich über das Randomhouse-Bloggerportal bekommen hab. Lieben Dank dafür!


Bloggerportal
Rezensionsexemplar
Nicole Neubauer: Kellerkind

416 Seiten | Taschenbuch | Blanvalet | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Einzelband

Erschienen: 19. Januar 2015

ISBN: 978-3442383375
Preis: 9,99 €

Zur Leseprobe
Direkt beim Verlag bestellen

[52/52-Challenge] Laut, dreckig, grau.

Donnerstag, 26. März 2015 | Kommentieren
Hey ihr Lieben!
Bei der heutigen Szene weiß ich noch nicht so wirklich, was es eigentlich sein soll. Es war als Kurzgeschichte geplant, aber eine wirkliche Geschichte ist es nicht. Mehr ein Alltagsausschnitt und doch auch wieder nicht so richtig.
Na ja.
Ich hoffe, ihr macht euch euer eigenes Bild davon. Vielleicht wollt ihr es auch mit mir teilen? ;)

Stichwort: Gegenwart
Wörter: 649


Laut, dreckig, grau.

Laut, dreckig, grau.
Drei Worte, die eine Welt, eine Gesellschaft, beschreiben. Versteckt in kleinen Ecken - die Ausnahmen. Oftmals zu versteckt. Oftmals mit zu großer Angst, von anderen als Ausnahme erkannt zu werden. 
Manchmal sind auch sie nur eine andere Nuance von Grau.
Meine Blicke schweifen, sehen eine Welt, die ihre Augen verschließt. Vor dem, was ist. Vor dem, was sein könnte. Vor all ihren Möglichkeiten, ihren Chancen.
Eine Welt, die nach vorn blickt, in die ferne Zukunft, statt zu schauen, was ihnen vor den gegenwärtigen Füßen liegt.
Eine Welt, die umherhetzt, statt einmal stehenzubleiben und durchzuatmen. Die sich anschreit, statt innerlich ruhiger zu werden. Die redet, grübelt, plant, statt einfach loszulegen und zu schauen, was herauskommt.
Eine Welt, die blind und taub sein will und doch vorgibt, alles zu wissen. Über den Dingen zu stehen. Die Wahrheit aller Wahrheiten zu kennen.
Ich bleibe seufzend stehen, gehe unter im stetigen Menschenstrom. Eine winzige Insel der Ruhe, des Innehaltens. Unbeachtet. Manchmal beschimpft. Einen fremden Ellenbogen in den Nieren, einen anderen im Rücken. Manchmal taumelnd, aber standhaft.

[52/52-Challenge] Die Geschichte vom Tod

Montag, 23. März 2015 | Kommentieren
Stichwort: Sonne
Wörter: 1200


Die Geschichte vom Tod

"Erzählst du mir die Geschichte vom Tod?" Stirnrunzelnd sieht er seine kleine Schwester an und sie schaut mit vor Aufregung glitzernden Augen zurück. "Aber nicht die, die alle immer erzählen. Ich möchte die richtige hören. Die von dem traurigen Jungen, der nicht mehr allein sein wollte."
Langsam nickt er. Er weiß ganz genau, welche Geschichte sie hören will. Er hat sie kurz erwähnt, nachdem ein Freund sie ihm erzählt hat. Eigentlich ist es gar keine Gute-Nacht-Geschichte und wären ihre Eltern an diesem Abend zuhause, würden sie es wahrscheinlich verbieten. Aber sie sind nicht zuhause und Emy ist kein kleines Kind mehr. 
"Rutsch mal ein Stück."
Sie tut, was er ihr sagt, und er setzt sich zu ihr ins Bett. Seine Stimme ist ruhig, als er anfängt zu erzählen, und wie immer beginnt er, als sei es ein Märchen, obwohl es dieses Mal keines ist: "Es war einmal ein Junge, der lebte in einer sehr düsteren Welt..."

[52/52-Challenge] Vom Schreiben

Samstag, 21. März 2015 | Kommentieren
Heute gibt es mal einen Text, der wirklich aus meiner Perspektive kommt. Wünsche euch viel Spaß mit meinen beiden Musen!

Wörter: 1152
Stichwort: Vernunft


Vom Schreiben

Das weiße Blatt starrt mich an. Ich starre zurück. Kurz die Frage, wie ich beginnen soll, dann greife ich zum Stift und schreibe die ersten Worte. Sie fließen auf das Papier, ohne großes Zutun, ohne weiteres Grübeln. Aus den ersten Worten werden zehn, zwanzig, hundert. Eine erste Seite. Wie viele es noch werden, weiß ich nicht. Fragt später wieder.
Heute scheint das Plotbunny besonders lebhaft zu sein. Es ist nicht schwer, den Gedanken zu folgen und sie niederzuschreiben, Welten zu schaffen, Charaktere zum Leben zu erwecken.
Schließlich einige letzte Worte, der letzte Punkt. Die Seite ist fast komplett beschrieben, die Szene ist vollständig. Für einen Augenblick schweigt die Muse. Ich lehne mich zurück, atme durch und beginne zu lächeln.
Plotbunnies, Musen, KreaTIEFs... In meinem Freundeskreis brauche ich nur selten damit anzufangen. Zu häufig sind die befremdeten Blicke, das Stirnrunzeln und dieses unausgesprochene "Geht es dir auch wirklich gut?", wenn die Bunnies mal wieder hüpfen, das Tief nervt oder die Musen (schon wieder) Mist gebaut haben.
Ja, mir geht es gut. Wirklich. Ich hab kein Fieber und bin auch nicht auf Drogen.
Ja, ich meine vollkommen ernst, was ich von mir gebe, auch wenn ich weiß, wie komisch das für manche klingt.
Und ja, ich weiß, dass ihr das wahrscheinlich nicht versteht, sofern ihr nicht selbst schreibt. Es gab eine Zeit, als ich anfing mit Schreiben, da ging es mir wie euch. Da klang all das reichlich seltsam und mein Kopf sagte mir mit dieser nervig trockenen Ich-weiß-es-besser-Stimme: "Lass den Schwachsinn." Heute ist es normal. Zugegeben, was das Schreiben angeht, habe ich noch nie gern auf meinen Kopf gehört. Wer braucht schon spröde Vernunft, wenn er Fantasie hat?

[52/52-Challenge] Lebensgeschichten

Donnerstag, 19. März 2015 | Kommentieren
Stichwort: Buch
Wörter: 978


Lebensgeschichten

Ich war schon in vielen Bibliotheken.
Ganz kleine verwinkelte in ebenso kleinen Städten. Große mit vielen Etagen und noch mehr meterhohen Regalen. Neue, gerade erst Eingerichtete und Alte mit antikem Flair. 
Ich war in allgemeinen Bibliotheken in Städten und Dörfern. War in Schul- und Universitätsbibliotheken. 
Ich war in solchen mit wenigen Büchern zu besonderen Schwerpunkten oder mit einer besonderen Geschichte. Und in solchen mit riesiger Auswahl, mit allem, was man sich von A bis Z, von Sachbuch bis Lyrik wünschen kann.
Ich kenne so viele Bibliotheken. Auf den Anblick, der sich mir bietet, konnte mich dennoch keine einzige vorbereiten.
Ich stehe in einer riesigen Halle in den verschiedensten Brauntönen, von der unzählige Gänge abzweigen. Kunstvoll gearbeitete Statuen in Gold und Weiß säumen sie ebenso wie hohe dunkle Regale voller Bücher. Purpurne Stoffe schmücken die Wände. Meine Schritte sind leise auf den dunklen Dielen. Ab und an klingt ein feines Knarzen durch die Gänge. Ob von meinen Schritten oder denen eines anderen vermag ich allerdings nicht zu sagen.
Ich wähle einen der Gänge, ohne zu wissen, wo er mich hinführen mag. Es gibt keine Schilder, keine Inschriften, nicht einen Hinweis, wohin die Wege führen. Ich weiß nicht einmal, wie ich überhaupt an diesen Ort kam. Meine letzten Erinnerungen sind unklar und verwaschen. Ein Aquarell der Realität, das mit zu viel Wasser und zu wenig Farbe gezeichnet wurde. Eine Geschichte, deren Schrift viel zu blass ist, um gelesen werden zu können.
Als ich aus dem Gang in eine weitere Halle trete, raubt es mir für einige Augenblicke den Atem. Ich kann nicht mal sagen, ob es wirklich eine Halle ist, denn um ehrlich zu sein, kann ich gar nicht weit sehen. Vor mir und zu meinen Seiten erheben sich riesige Regale, so hoch, dass sich ihre Enden weit über meinem Kopf verlieren. Sie stehen voll mit Büchern, alle in Leder verschiedenster Farbnuancen gebunden. Manche sind nur dünne Bände, andere mächtige Folianten.

Ein Blick zurück auf die LBM 2015

Sonntag, 15. März 2015 | Kommentieren
Zwei Tage voller Bücher, Verlage und Autoren liegen nun hinter mir. Die Füße schmerzen, aber angesichts der ganzen Eindrücke ist es fast schon ein guter Schmerz, in den sich ein wenig Wehmut mischt. 
Zwei Tage sind so schnell vergangen. Viel zu schnell. Nur allzu gern hätte ich immer wieder die Zeit angehalten, um die Augenblicke noch mehr zu genießen. Gelungen ist es mir leider nicht und so bleibt all das Gehörte, Gesehene und überhaupt Erlebte nur in meinem Kopf und Herzen.

Was auf der Leipziger Buchmesse alles los war?

Nun, ich denke, es wird Zeit, einen kleinen Rückblick zu geben. Los ging alles an einem Freitagmorgen...

[52/52-Challenge] Aquario

Samstag, 14. März 2015 | 2 Kommentare
Heute gibt es mal eine "etwas" längere Szene ;)

Stichwort: Fisch
Wörter: 2469


Aquario

"Was glaubst du, wie erst die Besucher reagieren, wenn bekannt wird, dass wir dieses Tier hier haben? Die werden uns die Bude einrennen! Jetzt muss nur noch das neue Aquarium fertig werden. Die Pressefuzzies nerven schon eine ganze Weile mit ihren Fragen, was denn nun ins Becken kommt. Wenn die nur wüssten!" 
"Hast du es schon gesehen?"
Rick nickte. "Vorhin ganz kurz, als sie den Käfig abgeladen haben. Aber das musst du selbst sehen. Ich dachte, ich traue meinen Augen nicht. Es ist unglaublich! Hoffentlich macht es uns keine Probleme. Ich meine, es ist wild und das Aquarium ist kein offenes Meer." Er schüttelte den Kopf. "Das ist einfach so toll... Ach, das hab ich dir ja noch gar nicht erzählt, Mina! Es ist ein Männchen. Definitiv. Dr. Anders hat die beiden Meeresbiologen, die es entdeckt haben, schon beauftragt, nach einem Weibchen Ausschau zu halten. Stell dir mal vor, wir könnten eine Zucht aufbauen!" 
Ricks Begeisterung war kaum zu bremsen. Der "Aquario", wie die Forscher die Art getauft hatten, schien etwas ganz Besonderes zu sein. Das einzige, was ich bisher wusste, war, dass es sich bei ihm um eine Fischart handelte, die sowohl über Kiemen, als auch über Lungen atmete, und dass der Aquario, den sie gefangen hatten, etwa 1,70 Meter maß. Die Forscher waren sich noch nicht einig, ob er zur Gattung der Lungenfische oder zu einer vollkommen neuen Spezies gehörte. Um das herauszufinden, hätten sie ihn sezieren müssen und da sie bisher nur einen einzigen Aquario hatten finden und fangen können, war das keine Option.
Wir betraten den Aquarienkomplex durch den Angestellteneingang, gingen allerdings nicht wie sonst zu den Fischtanks im vorderen Bereich, sondern in Richtung mehrerer Becken, die für die Besucher nicht zu sehen waren. Vor uns lag ein momemtan noch unbewohntes Aquarium. Normalerweise war der 5-Meter-Tank für Seelöwen in Quarantäne gedacht. Dass er nun zeitweilig einen Aquario beherbergen würde, damit hatte wohl bis vor ein paar Wochen niemand gerechnet.

[52/52-Challenge] (Un)perfekt

Donnerstag, 12. März 2015 | Kommentieren
Stichwort: Luxus
Wörter: 866


(Un)perfekt

"Sasha, wo bleibst du schon wieder?"
"Verzeihung, Sir", murmelte er und stellte den Tee vor seinem Herrn ab, ehe er sich auf leisen Sohlen in die Ecke neben der Tür zurückzog. Wahrscheinlich würde er sich niemals an all das gewöhnen.
Mittlerweile waren es schon sieben Monate. Vor sieben Monaten war er noch bei seinen Eltern, in dem kleinen Dorf außerhalb der Mauern der Kronstadt. Vor sieben Monaten tauchten die Männer in weißen Anzügen auf und nahmen ihn mit. Ohne seine Einwilligung. Nur wegen seines Aussehens. Nur, weil jemand aus der Kronstadt einen Diener mit genau seinen äußerlichen Merkmalen gefordert hatte. Der Vater seines Herrn. 
Seit sieben Monaten.
An sein neues Leben gewöhnt hatte er sich noch lange nicht. Zu viel war in der Kronstadt anders. Er seufzte beinahe lautlos. Was hieß eigentlich "zu viel"? Wollte er sich selbst belügen? Nichts war in der Kronstadt wie daheim bei seinen Eltern, abgesehen von so banalen Dingen wie dem Himmel über seinem Kopf, dem Boden unter seinen Füßen und dem Grundsatz, dass es um ihn herum lebende Menschen gab.
Alles andere war so vollkommen anders. Er erinnerte sich noch genau an die ersten Augenblicke, nachdem er das Stadttor passiert hatte. Daran, wie ihn das Weiß der hohen, prächtig verzierten Fassaden blendete. An seine Verwirrung über die Perfektion und den schieren Reichtum, die sich in jedem Teil Detail der Kronstadt widerspiegelten. An die Blicke der anderen Menschen.

[Rezension] Mara Volkers: Die Tore der Geister

Montag, 9. März 2015 | Kommentieren

© Piper Fantasy

Mara Volkers: Die Tore der Geister

464 Seiten | Taschenbuch | Piper | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Einzelband

Erschienen: 1. Oktober 2011 

ISBN: 978-3492268059
Preis: 12,95 €

Zur Leseprobe

[52/52-Challenge] Geblieben

Montag, 9. März 2015 | Kommentieren
Stichwort: Ruhe
Wörter: 505


Geblieben

"5. Januar 2015"
Seit zwei Monaten hängt das Kalenderblatt unverändert an der Wand mitten in einem Wohnzimmer, das keines ist. Gegenüber steht ein alter verschlissener Fernsehsessel, der vermutlich noch nie einen Fernseher gesehen hat. Und auf eine der weiß getünchten Wände ist ein Fenster gemalt, das nie den Blick nach außen öffnen wird. 
Seit zwei Monaten ist es still hier. Still und leer. All die Stimmen sind verhallt. Die der Nachbarn, die der Besucher, die der Kinder nebenan. Seine. Geblieben bin nur ich. Was mich hält, weiß ich nicht. All die anderen sind gegangen, vor Tagen, Wochen, Monaten. 
Liz war geblieben, fast bis zum Schluss, und doch hat sie am Ende aufgegeben und ist den anderen ins Ungewisse gefolgt. Ich erinnere mich an sie alle. Erinnere mich an Mrs. Harrison, die alte Dame, die ihm immer die Zeitung brachte. An den siebenjährigen Tommy. An Joyce, die Krankenschwester. An Peter, dessen Schreie mich heute noch manches Mal begleiten. An seinen Zwillingsbruder Phil, der alles mit ansehen musste, ehe er selbst Ruhe fand. An Liz, die eigentlich nur nach dem Weg hatte fragen wollen... Sie alle waren einige Zeit hier, waren bei mir und sind wieder gegangen. Sehen kann ich sie noch immer. Einen Teil von ihnen. Doch alles, was sie ausmachte, ist fort. So vieles vergangen und nur eines geblieben: Das Unbedeutende. Was immer als vergänglich bezeichnet wurde, bleibt unveränderlich. Das Ewige dagegen, das ist vergangen. Ewig scheine nur ich zu sein.
Ich seufze und sinke in den Sessel, vor mir das alte Kalenderblatt, das ich nicht mehr sehen will. Ich will es umblättern, abreißen, irgendetwas. Doch ich kann nicht. Nie wieder. Nie.

[52/52-Challenge] Corvus

Samstag, 7. März 2015 | 2 Kommentare
Schreibtechnisch geht es im Moment recht gut voran, daher gibt es schon wieder eine neue Szene!

Stichwort: Feder
Wörter: 2109

Corvus

"Treten Sie ein! Trauen Sie sich! Nur herein spaziert in Morgard's Zauberwelt!" 
Der Mann trägt einen schwarzen Frack, einen Zylinder und einen silbrig schimmernden Stab in einer Hand, der im Takt seiner übertriebenen Gesten herumwirbelt. Er steht mitten auf der Wiese und abgesehen von ein paar kleinen Lichtern aus dem Dorf und dem Funkeln der Sterne ist es finster.
"Ah, junge Lady, nur keine falsche Scheu! Tritt nur heran."
Unsicher weicht sie einige Schritte zurück. Woher der Mann plötzlich kommt, weiß sie nicht. Vielleicht ist er nur eine Erscheinung, die ihr müder Geist ihr vorgaukelt. Vielleicht liegt sie längst im Bett und schläft. Vielleicht träumt sie lediglich, im Garten hinter dem Haus zu stehen und einen merkwürdigen Mann vor ihr auf der weiten Wiese zu sehen.
Jetzt tritt er auf sie zu, streckt seine freie Hand einladend über den Zaun in ihre Richtung. "Keine Angst, junge Lady. Komm. Du kannst sehen, damit stehen dir die Pforten in Morgard's Zauberwelt offen."
"Sie sind nicht real", bringt sie zögerlich hervor und bringt den Mann damit zum Lachen.
"Was ist schon real? Vielleicht ist unser gesamtes Leben ein einziger Traum?" Er schaut über die Schulter und gestikuliert mit seinem Stab in Richtung der Wiese. "Komm nur, was hast du zu fürchten?" Kurz stockt er und mustert sie einen Augenblick. "Ah, wie recht, wie recht. Wo sind nur meine Manieren geblieben? Morgard, mein Name. Algus Morgard." Er zieht seinen Zylinder und verbeugt sich vor ihr, ehe er ihr erneut die Hand entgegenstreckt. "Und mit wem habe ich das Vergnügen, junge Lady?"
"Juli", antwortet sie vorsichtig.
"Ein Sommerkind, wie recht. Juli... welch' wundervoller Klang! Komm nur, junge Lady. Hab keine Angst. Hörst du nicht die Minicae singen? Oh, ihr Gesang ist so wundervoll. Lass dich nur in Morgard's Zauberwelt entführen. Sie erwarten dich."

[52/52-Challenge] Untitled

Mittwoch, 4. März 2015 | Kommentieren
Der Text dieses Mal ist etwas anders als die letzten. Sonst waren es zwar auch Szenen, aber letztendlich waren sie relativ abgeschlossen. Nicht so die Szene, die ich heute hab. Es ist mehr ein Ausschnitt, vielleicht von einem größeren Projekt, das ich noch nicht weiter kennen. Mal sehen :)

Wörter: 965
Stichwort: Feuer


Untitled

Ein Fuß vor den nächsten. Rechts. Links. Rechts. Links. Immer weiter. Nur nicht anhalten. Rechts. Links. Rechts. Links.
Ein plötzlicher Ruck am Seil lässt ihn vorwärts stolpern. Der Strick ist straff um seine Handgelenke geknotet. Zu straff. Anfangs haben seine Finger noch gekribbelt, doch mittlerweile wurde jedes andere Gefühl von Schmerz verdrängt. Jeder neue Ruck treibt das Seil tiefer in seine ohnehin schon wunde Haut. Und es werden mehr. Seine Kräfte neigen sich dem Ende zu. Er kann nicht mehr laufen. Will nicht mehr. Seine Füße tragen ihn kaum noch. Der sandige Boden bietet ihnen kaum Halt. Die Sonne brennt unbarmherzig vom Himmel. Seine Kehle ist ausgetrocknet, Wasser gibt es nur dreimal am Tag und nie genug, um seinen Durst wirklich stillen zu können.
Kurz fallen seine Augen zu. Er stolpert, seine Knie geben nach und er landet im Sand. Gnade erwartet er nicht. Ein weiterer Ruck am Seil zieht ihn vorwärts und schleift ihn ein Stück über den Boden, ehe er taumelnd wieder auf die Beine kommt. Er hört das Lachen einiger Männer, die von ihren Pferden auf ihn hinabblicken. Mittlerweile hat er gelernt, sie zu ignorieren. Es ist besser so. Seine Beine schmerzen genügend, Schläge braucht er nicht auch noch.
Der Sand brennt unter seinen Füßen. Die glühenden Kohlen haben Löcher in die Sohlen seiner Schuhe gebrannt, durch die immer wieder heißer Sand eindringt. Längst hat er ihm die Fußsohlen wund gerieben. Wen interessieren noch Blasen, wenn die Haut längst blutig gescheuert ist? Wahrscheinlich ist er selbst der einzige, dem es etwas bedeutet. Seinen Peinigern ist er egal. Jemand anderen gibt es nicht mehr.

Englische Fanfiktion

Montag, 2. März 2015 | Kommentieren
Hey ihr Lieben!
Ich bin momentan irgendwie auf dem Englischtrip. Da ich eine meiner aktuellen Lieblingsserien - The Tomorrow People - lieber auf Englisch als auf Deutsch schaue und mich eine (bisher noch nicht in Deutschland ausgestrahlte Folge) zu einer Fanfiktion inspiriert hat, wurde die FF kurzerhand auf Englisch geschrieben und ist damit meine allererste englische Geschichte.
Vorab: Ich garantiere auf keinen Fall für sprachliche Richtigkeit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es einige Fehler gibt, hab die FF aber nach bestem Wissen geschrieben.
Wenn jemand Verbesserungsvorschläge hat, immer her damit!
Ich bin gespannt auf eure Meinungen!