[Rezension] Blake Crouch: Dark Matter. Der Zeitenläufer

Sonntag, 9. April 2017 | Kommentieren
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Bildquelle: Bloggerportal
416 Seiten | Klappenbroschur | Goldmann Verlag | Deutsch

Original: Dark Matter
Übersetzer: Klaus Berr

Reihe:: Einzelband

Erschienen:: 27. März 2017

ISBN: 978-3-442-20512-7
Preis: 16,00 €

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Spannendes Was-wäre-wenn-Szenario, nicht nur für Science-Fiction-Fans

"Bist du glücklich in deinem Leben?"
Seite 42
Diese eine Frage ist es, die das Leben von Jason Dessen auf den Kopf stellt. Diese und ein maskierter Mann - sein Entführer, der ihn unter Drogen setzt. Als Jason wieder zu sich kommt, wird er von einem Fremden wie ein alter Freund begrüßt und hat ein Leben, das so gar nicht mehr an seines erinnert: Statt ein einfacher Physik-Professor ist er ein gefeierter Wissenschaftler. Seine Frau hat er nie geheiratet. Seinen Sohn gibt es nicht.
Ist das die echte Realität? Steht er immer noch unter Drogen? Was ist passiert?
Kann er möglicherweise das perfekte Leben haben?

Im Grunde befasst sich Blake Crouch in seinem neuesten Werk mit einem alten Hut: Die Frage danach, wie unsere täglichen Entscheidungen unser Leben beeinflussen. Was geschehen wäre, wenn wir dies oder jenes anders entschieden hätten. Wie wir sein könnten, wenn wir einen anderen Weg eingeschlagen hätten.
Normalerweise bleiben die Antworten darauf immer Hirngespinste. In "Dark Matter. Der Zeitenläufer" erhält Jason Dessen jedoch die Chance, genau das herauszufinden - ob er nun will oder nicht.
Die Handlung basiert auf einer real existierenden Theorie der Quantenphysik - und ist keineswegs so trocken, wie es im ersten Moment klingt. Blake Crouch gelingt es, die Komplexität der Theorie so weit herunterzubrechen und verständlich zu machen, dass selbst ich als absoluter Physik-Laie es gut verstehen konnte und fasziniert immer tiefer in die Handlung eingetaucht bin.
Der Weg des Protagonisten ist dabei so spannend wie irrwitzig: Da kann er nicht nur herausfinden, was andere Entscheidungen aus seinem Leben und der Welt, in der er lebt, gemacht hätten, sondern begegnet sich mal eben auch noch selbst. Auch wenn er feststellen muss, dass "selbst" nicht immer mit "genau derselbe" gleichzusetzen ist.
Die zahlreichen Szenarios sind dabei keineswegs "Einheitsbrei", sondern beinahe so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Möglicherweise wirken einige Szenarios dabei etwas übertrieben, schärfen aber gleichzeitig den Blick dafür, was tatsächlich sein könnte. Damit wird "Dark Matter" nicht nur zu einem Versuch, alternative Leben zu entwerfen, sondern zeigt gleichzeitig, welcher Glücksgriff das Leben, das wir führen, sein kann. Und dass "perfekt" kein Maß ist, an dem das Leben gemessen werden sollte.
In jedem Fall tragen die vielen unterschiedlichen Szenarios dazu bei, Jason Dessens Charakter zu schärfen, indem sie ihm die Möglichkeit geben - ihn beinahe dazu zwingen - über sich und sein Leben nachzudenken. Was will er? Was kann er haben? Zu welchem Preis? Ist er bereit, den zu zahlen?
Seine einzige Konstante auf diesem verrückten Weg ist die Liebe zu seiner Familie, die ihn wunderbar menschlich und greifbar macht. Jason Dessen ist ein lebensnaher Charakter, der mir von Beginn an sympathisch war. Durch die verwendete Ich-Perspektive erhielt ich tiefen Einblick in seine Gedanken- und Gefühlswelt, konnte mich mit ihm wundern, fasziniert und erschrocken sein, mich freuen und auch mal am Rande der Verzweiflung stehen. Spätestens in den letzten Kapiteln wusste ich diese Perspektive dann auch noch einen Tick mehr zu schätzen, denn das Finale ist für diese Geschichte der Gipfel der Irrwitzigkeit - und wäre ohne Ich-Perspektive vermutlich reichlich verwirrend geworden.
Trotz dieser Verwirrung ist das Ende eines, das einfach passt. Es macht die Geschichte rund. Für meinen Geschmack hätte die Geschichte vielleicht noch ein kleines bisschen weitergeführt werden können, aber wer weiß: Vielleicht zeigt genau dieses Ende - passend zum Tenor des Buches - wie offen unser Leben doch eigentlich ist. Und wie viel wir mit einer einzigen Entscheidung bewegen können.

Fazit: "Dark Matter. Der Zeitenläufer" ist nicht nur ein kurzweiliges, spannendes Lesevergnügen mit einem sympathischen Protagonisten und einer konstanten Handlung. Es ist auch ein Buch, das zum Nachdenken anregt, Fragen stellt ohne allgemeingültige Antworten zu liefern und es erlaubt, aus mindestens einer neuen Perspektive auf das Leben zu blicken.

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Klappentext

„Bist du glücklich?“ Das sind die letzten Worte, die Jason Dessen hört, bevor ihn ein maskierter Mann niederschlägt. Als er wieder zu sich kommt, begrüßt ihn ein Fremder mit den Worten: „Willkommen zurück, alter Freund.“ Denn Jason ist in der Tat zurückgekehrt – doch nicht in sein eigenes Leben, sondern in eines, das es hätte sein können. Und in diesem Leben hat er seine Frau nie geheiratet, sein Sohn wurde nie geboren. Und Jason ist kein einfacher College-Professor, sondern ein gefeierter Wissenschaftler. Doch ist diese Welt real? Oder ist es die vergangene Welt? Wer ist sein geheimnisvoller Entführer? Und vor die Wahl gestellt – was will er wirklich vom Leben: Familie oder Karriere?
Auf der Suche nach einer Antwort begibt Jason sich auf eine ebenso gefährliche wie atemberaubende Reise durch Zeit und Raum. Eine Reise, die ihn am Ende auch mit den dunklen Abgründen seiner eigenen Seele konfrontieren wird …

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