[Rezension] Karen Dionne: Die Moortochter

Mittwoch, 23. August 2017 | 3 Kommentare
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Bildquelle: Bloggerportal
384 Seiten | Klappenbroschur | Goldmann Verlag | Deutsch

Original: The Marsh King's Daughter
Übersetzer: Andreas Jäger

Reihe:: Einzelband

Erschienen:: 24. Juli 2017

ISBN: 978-3-442-20535-6
Preis: 12,99 €

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Eine Charakterstudie als Thriller

Es war einmal ein Mann, den nannten sie den Moorkönig. Gemeinsam mit seiner Frau, die er einer nahen Stadt geraubt hatte, lebte er in seinem Reich, dessen Früchte sie nährte und dessen Pflanzen sie schützte. Eines Tages gebar ihm seine Frau eine Tochter: Ein Kind des Moores, das er erziehen wollte, sodass es ebenso stark und wissend würde wie er.
Ein Kind, dass sein Reich zerstören sollte.

Die Tochter des Moorkönigs

Helena Pelletier führt ein ruhiges Leben mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern auf der Upper Peninsula in Michigan. Als sie eines Tages hört, dass ein Mann aus dem Hochsicherheitsgefängnis entkommen ist, droht der Frieden jedoch jäh zusammenzubrechen. Denn dieser Mann verschleppte nicht nur ihre Mutter einst in das Moor, hielt sie dort jahrelang gefangen und missbrauchte sie. Nein, er ist auch ihr Vater. Der Mann, der ihr vieles von dem, was sie kann und weiß, beibrachte - und zu dessen Festnahme sie vor fünfzehn Jahren beigetragen hat.
Für Helena ist schnell klar, dass ihr Vater nicht einfach von der Bildfläche verschwinden wird. Als die Polizei im Dunkeln tappt, macht sie sich selbst auf die Suche nach ihm.

Zwischen Verfolgung und Vergangenheit

Die Handlung, erzählt aus der Ich-Perspektive von Helena Pelletier, ist zweigeteilt: Ein Handlungsstrang beschäftigt sich mit den Ereignissen der Gegenwart vom ruhigen Familienleben hin zur Verfolgungsjagd. Letztere ist dabei nicht so adrenalingeladen und rasant, wie man vermuten könnte. Vielmehr lag der Fokus auf Helenas Gedanken, die immer wieder zu ihrer Vergangenheit und der ambivalenten Beziehung zu ihrem Vater abschweiften.
Der zweite Handlungsstrang ist ein Blick in die Vergangenheit selbst und in Helenas Entwicklung. Sie schildern eindrücklich, wie Helena im Moor aufwuchs und wie sich die Beziehung zu ihrem Vater entwickelte. Dieser Teil half mir erheblich dabei, Helenas Gedanken und Handlungen in der Gegenwart besser zu verstehen.
Die Rückblicke sind insgesamt wie persönliche Berichte gestaltet: Der Leser wird direkt und förmlich angesprochen, was mir die Protagonistin noch einmal näher brachte. Mit dem Wissen um den eigentlichen Adressaten dieser Rückblicke, der am Ende genannt wird, macht diese Ansprache jedoch für mich keinen wirklichen Sinn.

Mehr Natur, weniger ...?!

So recht packen konnte mich dieser Psychothriller nicht. Statt den Fokus auf den Gefängnisausbruch und die Verfolgung zu legen, liegt er auf Helenas Entwicklung und der Beziehung zu ihrem Vater. Das ist zwar an sich interessant, provozierte letztlich aber auch die eine oder andere Länge. Zudem kamen dadurch die Nebenfiguren recht kurz und blieben eher farblos.
Stilistisch konnte "Die Moortochter" mit einem lebendigen, angenehmen Sprachstil aufwarten. Insbesondere in den Rückblicken findet sich eine Fülle an detailreichen Beschreibungen der Moorlandschaft, die mir ein genaues Bild der überraschend vielfältigen Umgebung ermöglichten. Ein bisschen weniger Natur und mehr Handlung wäre an einigen Stellen jedoch wünschenswert gewesen.

FAZIT

"Die Moortochter" ist kein typischer Psychothriller mit rasanter, packender Handlung. Vielmehr hatte ich hier das Gefühl, eine Charakterstudie vor mir zu haben, die sich mehr mit der Person "Helena Pelletier" und ihrer Geschichte auseinandersetzte und weniger mit dem Gefängnisausbruch und der Jagd nach ihrem Vater. Diesem Zwiespalt sind dann auch einige Schwächen geschuldet, die dem Buch letztlich drei Pergamentfalter einbringen.

bewertung_3_pergamentfalter

Klappentext

Helena Pelletier lebt in Michigan auf der einsamen Upper Peninsula. Sie ist eine ausgezeichnete Fährtenleserin und Jägerin – Fähigkeiten, die sie als Kind von ihrem Vater gelernt hat, als sie in einer Blockhütte mitten im Moor lebten. Für Helena war ihr Vater immer ein Held – bis sie vor fünfzehn Jahren erfahren musste, dass er in Wahrheit ein gefährlicher Psychopath ist, der ihre Mutter entführt hatte. Helena hatte daraufhin für seine Festnahme gesorgt, und seit Jahren sitzt er nun im Hochsicherheitsgefängnis. Doch als Helena eines Tages in den Nachrichten hört, dass ein Gefangener von dort entkommen ist, weiß sie sofort, dass es ihr Vater ist und dass er sich im Moor versteckt. Nur Helena hat die Fähigkeiten, ihn aufzuspüren. Es wird eine brutale Jagd, denn er hat noch eine Rechnung mit ihr offen ...

3 Kommentare

  1. Ich hab mir grad mal nur das Fazit durchgelesen, da ich an meiner Kritik noch dran bin. Ich bin durch Sebastian schon vorgewarnt gewesen und genau wegen seiner Kritik, eben weil das Buch anders ist, hab ich es lesen wollen und war positiv übrrascht :D
    Aber du hast recht, wenn du mit anderen Erwartungen an das Buch herangehst - allein wg Klappentext & Co - und dann natürlich enttäuscht wirst :(
    [wenn ich meine Kritik geschrieben hab, kommt ich nochmal für den Rest vorbei ;) ]

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    1. Hey! Dann bin ich mal auf deine Meinung gespannt. Ich schau auf jeden Fall vorbei, wenn sie online ist :D
      Dieses Mal waren es gar nicht so sehr die Erwartungen, wegen derer ich es runtergewertet hab, aber das wirst du ja sehen, wenn du wiederkommst ;-)

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    2. So, da bin ich wieder :D Also ich fand gerade diese Einblicke in die Natur gelungen. Man konnte dadaurch das Kind Helena viel besser verstehen.
      Gegen Ende hätte man dieser Abschnitte etwas einkürzen können, vor allem WEIL es dann spannend wird - da bin ich bei dir. Aber wie schon gesagt: Ich war ja vorgwarnt und hatte so eine Form erwartet :P

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Vielen Dank für eure Kommentare!