[Rezension] Wieland Freund: Krakonos

Sonntag, 27. August 2017 | Kommentieren
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Bildquelle: Beltz & Gelberg
292 Seiten | Hardcover | Beltz & Geldberg | Deutsch

Originalausgabe

Reihe: Einzelband

Erschienen: 10. Juli 2017

ISBN: 978-3-407-82322-9
Preis: 14,95 €

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Fantastisches Abenteuer in einer hochtechnisierten Welt

Es gibt sie noch, die Fantasybücher, die Fabelwesen jenseits von Magier, Werwolf und Vampir thematisieren! In "Krakonos" begibt sich Autor Wieland Freund auf die Spur des gleichnamigen Berggeistes, auch bekannt als Rübezahl, der den Sagen nach im Riesengebirge leben soll.

Auf der Jagd nach Rübezahl

Die Geschichte spielt in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft: Emma O'Lynn, Studentin der Mythobiologie, ist ins polnische Riesengebirge gereist, um dort den Berggeist Krakonos zu beobachten. Seit Jahren hält sich dieser im Gestein verborgen. Einzig ein alter Sender zeigt überhaupt noch, dass er tatsächlich dort ist - bis er plötzlich vermeldet, dass Krakonos aufgebrochen ist.

Die Brüder Nik (13) und Levi (10) wachsen in einer hochtechnisierten Welt auf. Technik und digitale Medien bestimmen ihr Leben. Trotzdem zieht es Levi immer wieder in die verbliebenen Flecken Natur, wo er eines Abends dem Gestaltwandler Riebe begegnet. Als ein Sondereinsatzkommando anrückt, um mit allen Mitteln zu verhindern, dass die Menschen von übernatürlichen Wesen erfahren, flieht Riebe und nimmt die beiden Brüder mit sich auf eine spannende Reise.

Im Dienste der Mythobiologie

Den Ausgangspunkt für "Krakonos" markiert eine kleine Änderung an unserem realen Leben: Sagengestalten gibt es wirklich (auch wenn nur eine Minderheit davon weiß). Um sie zu erforschen und ihre Existenz geheim zu halten, existiert die Mythobiologie, eine wissenschaftliche Disziplin, die man studieren kann (auch wenn mir nicht ganz klar ist, wie ein potentieller Interessent davon erfährt). Allein diese Idee hat mir schon mal richtig gut gefallen, verbindet sie doch das Fantastische mit der Forderung nach Wissenschaftlichkeit unserer heutigen Zeit.
Die Handlung selbst springt kapitelweise zwischen Emma O'Lynn und den Brüdern Nik und Levi. Sie war für mich durchweg logisch aufgebaut. Eine unterschwellig spürbare Spannung, die sich gegen Ende steigert, und der angenehme, flüssige Schreibstil des Autors ließen die Geschichte regelrecht dahinfliegen.

Gesucht: Charaktertiefe im Strom der Zeit

Erzähler der Geschichte sind Emma und Nik, jeweils in Form eines personalen Erzählers. Dadurch konnte ich ein wenig teilhaben an ihren Gedankengängen und die beiden noch etwas besser kennenlernen als die anderen Figuren.
Emma und die beiden Brüder haben mir dann auch als Protagonisten sehr gut gefallen. Sie waren in sich logisch und die leichten Entwicklungen und Veränderungen, die sie im Laufe der Geschichte erfahren, waren trotz der Kürze des Buches wunderbar dargestellt. Besonders gut hat mir die Gegensätzlichkeit von Nik und Levi gefallen: Der eine als Beschützer - auch mal wider Willen - und vollkommen integriert in ihre von Technik geprägte Lebenswelt. Der andere ohne Interesse an Technik, dafür aber fasziniert von der Natur und den Geheimnissen der Welt. Während Levi mit kindlicher Neugier und Unschuld punktet, steht Nik irgendwo zwischen "Kind" und "Jugendlicher" und wirkte auf mich dabei manches Mal regelrecht verloren.
Einzig mit Krakonos wurde ich nicht so recht warm. Als sogenannter Überzeitlicher ist er bereits Jahrhunderte alt - eine gewisse Charaktertiefe sollte bei ihm also vorhanden sein. Ein paar Nuancen davon habe ich zwar kennengelernt, insgesamt blieb er mir aber zu farblos. Vielleicht lag es daran, dass er als Charakter eher in sich gekehrt war, genau kann ich es nicht sagen. Von einer titelgebenden Figur hatte ich jedoch ein bisschen mehr erwartet.

FAZIT

"Krakonos" ist ein leichtes Fantasy-Abenteuer für zwischendurch, das nicht nur Kindern und Jugendlichen den Zauber des Fantastischen für ein paar Stunden ins Bewusstsein rufen kann. Mit weitgehend überzeugenden Charakteren und einer logischen Handlung scheint es, als wäre diese Geschichte mitten aus dem Leben gegriffen - nur das wir als Leser dieses Mal auf der falschen Wissensseite der Mythobiologie stehen.

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Klappentext

In einer hochtechnisierten Welt, jenseits der Natur, entdecken die Brüder Nik und Levi nachts einen Raben. Der sich in einen Mann verwandelt, dann in Levi ...
Vor allem Levi fühlt sich von dem geheimnisvollen Krakonos angezogen. Doch der sagenhafte Gestaltenwandler, besser bekannt als Rübezahl, wird erbarmungslos gejagt. Auch die Jungen geraten ins Visier der Verfolger und fliehen mit ihm.

Können sie Krakonos trauen?

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