[Rezension] Aliette de Bodard: The House of Shattered Wings

Dienstag, 5. September 2017 | Kommentieren
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Bildquelle: Orion Publishing Group
432 Seiten | Taschenbuch | Gollancz | Englisch

Originalausgabe

Reihe: Dominion of the Fallen #1

Erschienen: 28. Juli 2016

ISBN: 978-1473212572
Preis: £ 8,99

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Unter der Herrschaft gefallener Engel

Nach dem großen magischen Krieg ist Paris zerstört. Ruinen säumen die Straßenränder und die Seine wurde zu einem tödlichen dunklen Strom. Gefallene Engel kämpfen um die Vorherrschaft über die einst große Stadt. Unter ihnen Selene, eine Gefallene, die versucht, das Erbe ihres verschwundenen Meisters Lucifer Morningstar zu erhalten. In den Wirren der Stadt treffen drei Personen aufeinander, die enger mit dem Untergang dieses Erbes verbunden sein könnten, als ihnen lieb ist: Isabelle, eine junge Gefallene. Madeleine, eine drogensüchtige Alchemistin. Und Philippe, ein Unsterblicher mit magischen Kräften.

Atmosphärisch und düster

Paris - Stadt der Liebe und Romantik, so haben viele die französische Hauptstadt im Hinterkopf. In "The House of Shattered Wings" stellt Aliette de Bodard dieses Bild auf den Kopf: Schluss mit Romantik, kleinen Eckcafés und Touristenströmen. Stattdessen präsentiert sich Paris hier als nicht minder atmosphärischer Ort der Zerstörung, geprägt von Verwahrlosung, Gewalt und Tod. Beherrscht wird Paris von den "großen Häusern", die überwiegend von gefallenen Engeln geleitet werden. Entweder man findet in ihnen Zuflucht und stellt sich in die Dienste der Hausherren - oder fristet sein Dasein auf den gefährlichen Straßen von Paris, als Einzelkämpfer oder Mitglied einer Gang.
Die Atmosphäre des Buches konnte mich sofort in ihren Bann ziehen. Dieses fast schon endzeitliche Bild von Paris ist faszinierend und fesselnd, auch wenn ich mir im Laufe der Geschichte gewünscht hätte, noch mehr von Paris zu sehen. Ebenso hat sich mir nicht erschlossen, warum die beiden wichtigsten Häuser, Silverspires und Hawthorne, keine französischen Namen tragen - letztendlich ist das aber ein Gedanke, der mir während des Rezensierens kam und keiner, der mich beim Lesen irritierte.

Spannend und vielfältig

Direkt zu Beginn des Buches wurde ich regelrecht in die Handlung hineingeworfen. Es gibt keine wirkliche Einleitung, die in die Welt und die Charaktere einführt. Das Wissen darüber wird erst nach und nach vermittelt, was ich stellenweise etwas unbefriedigend und unnötig verwirrend fand.
Die Handlung selbst ist durchweg spannend aufgebaut. Sie wird abwechselnd aus der Perspektive der einzelnen Protagonisten erzählt, was mir einen guten Rundumblick und einen tieferen Blick in die einzelnen Persönlichkeiten ermöglichte.
Womit wir auch schon bei dem Punkt wären, der mich (neben der Atmosphäre) am meisten begeistert hat: Die Charaktere! Ohne sie hätte die gesamte Handlung wesentlich weniger lebendig gewirkt. So dagegen, mit ihnen, erschien die Handlung realistisch und die Charaktere selbst beinahe wie aus dem Leben gegriffen. Sie sind facettenreich und durchweg logisch aufgebaut. Aliette de Bodard gelingt es sehr gut darzustellen, wie die Vergangenheit die einzelnen Charaktere beeinflusst hat und warum sie so sind und denken, wie sie es tun. Einzig die Gefallene Isabelle blieb mir angesichts dieser vielen tollen Charaktere ein wenig zu farblos. Ich mochte sie, keine Frage, aber so lebendig wie die anderen erschien sie mir leider nicht.

FAZIT

"The House of Shattered Wings" ist in dunkles Urban-Fantasy-Abenteuer mit toller Atmosphäre und tiefgründigen Figuren. An einigen Stellen hätte ich mir allerdings mehr Hintergrundwissen gewünscht und weniger offene Fragen, die später erst geklärt wurden.

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